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Breast Cancer

Ich lebe mit einem anderen Gefühl als vor der Krankheit

Kannst du dich erstmal kurz vorstellen und uns erzählen, wie und wann du erkrankt bist? 

Mein Name ist Regina Flikschuh, ich bin 58 Jahre alt, ich bin verheiratet, hab zwei Kinder, die sind aber schon groß. Ich lebe in Schöneiche bei Berlin und arbeite in der Gemeindeverwaltung. 

Ich habe im Herbst 2006, oder im Winter war das schon, einen kleinen Knoten gehabt, in der rechten Brust, also was gefühlt. Dann bin ich zur Mammografie gegangen, auch vor dem Hintergrund, dass meine Schwester an Brustkrebs erkrankt war, 2 Jahre zuvor, und da gelte ich ja schon als Risikopatientin. Jedenfalls bin ich zur Mammografie gegangen, und da hatte die Ärztin auch einen Verdacht, also etwas gesehen. Daraufhin wurde eine Biopsie durchgeführt. Anfang Januar kam die Bestätigung, dass ich einen Krebstumor habe. Zwei Stück, einen kleinen und einen größeren, in der rechten Brust.  

Wie ging es dann weiter, nachdem feststand, dass du Krebs hast? 

Mitte Januar bin ich operiert worden, da haben sie die beiden Tumore rausgenommen, und dann macht man ja zig Untersuchungen, Knochendichte und dann haben die mir den ganzen Körper irgendwie abgetastet, die ganzen Organe irgendwie untersucht, mit so einer Maschine, die über einen drüber fährt. In der Nachuntersuchung haben sie dann festgestellt, dass da noch offensichtlich krankes Gewebe am Rand des OP-Gebiets ist,  also noch Krebszellen gestreut hatten. Und im Februar bin ich dann nochmal ins Krankenhaus, allerdings nur für 3-4 Tage, und dann hat die Ärztin nachoperiert, dabei hat sie den Rest entfernt. Das war nochmal eine richtige OP unter Vollnarkose. Die Ärzte haben mir von Anfang an geraten, brusterhaltend vorzugehen, weil das halt kleine Tumoren waren, und sehr früh erkannt. Ich war ja in einem sogenannten „Brustzentrum“ in  dem Krankenhaus, also schon mit jahrelanger Erfahrung. Operiert wurde ich auch von der Chefärztin, die das als ihr Spezialgebiet hat.  

Welche Behandlung hast du dann nach der Operation erhalten? 

Nach der Operation musste ich mich erst einmal ein bisschen erholen. Und ich weiß gar nicht mehr, da war ein Zwischenraum von ein paar Wochen, glaube 4-5 Wochen, keine Ahnung. Jedenfalls im Frühjahr fing die Strahlentherapie an; es war klar, dass ich 6 Wochen lang bestrahlt werde, jeden Tag, außer am Wochenende. Dazu musste ich in ein anderes Krankenhaus, weil in dem Krankenhaus in Spandau machen die das nicht und dann hab ich das Krankenhaus Neukölln ausgewählt, weil es einen sehr guten Ruf hatte in dem Gebiet. 

Und die Bestrahlung geht auch in 2 Phasen, also du wirst 5 Wochen lang quasi normal bestrahlt und dann die letzten Tage machen sie nochmal so eine Tiefen-Bestrahlung, wo irgendwelche anderen heftigeren Strahlen dich treffen, sozusagen. Das machen sie wohl immer davon abhängig, welche Art Krebstumor du hattest, es gibt ja aggressive und weniger aggressive, und bei mir war es halt der Fall, dass meine Krebssorte nicht die ganz aggressive war, sondern Östrogen abhängig.  

Je länger du dann in der Strahlentherapie drin bist, desto anstrengender wird’s. Auch wenn du denkst, du liegst ja nur unter diesem riesigen Gerät, und dann kommt dieses Gerät auf dich zugefahren, mit so einer Art Mikroskop, nur größer, und das richtet sich dann auf die Brust, und du liegst da, und dann geht die Schwester aus dem Raum und guckt nur noch durch eine Scheibe, dann schaltet sie ein, und dabei ist für ein paar Minuten so ein ganz schreckliches, unheimliches Klopfgeräusch. Und das dauert aber nicht lange. Es war also immer so ein Zeitraum zwischen 1-3 Minuten. Länger dauerte das nicht. Es war immer ein sehr komisches Gefühl muss ich sagen. Sehr irritierend war auch, dass ich nicht duschen durfte bzw. nur eingeschränkt, da die Brust kein Wasser abbekommen darf. Und die Haut wurde immer empfindlicher, wurde dann rot und gegen Ende der Behandlung, da hatte ich so etwas wie Sonnenbrand, also die Haut hat sich ein bisschen geschält. Müdigkeit und ein geschwächtes Immunsystem gehörten dazu. 

Was ist dann nach der Behandlung passiert? Musstest du in die Reha? 

Also die Behandlung ging 2007 noch weiter, da war die Strahlentherapie, danach wieder eine Pause, von glaube 4-6 Wochen und dann musste ich in die sogenannte Anschlussheilbehandlung, das ist eine Reha-Behandlung, früher hat man Kur gesagt. Da gehst du in eine Kurklinik, die spezialisiert ist auf Krebspatienten. Erst einmal wurde ich für 3 Wochen dahin geschickt und hab dann noch eine Woche Verlängerung gekriegt, aufgrund meines Befindens. Das war eigentlich eine sehr positive Sache, weil das hat mir richtig gutgetan nach dem allem. Weil ich dort alleine, mal nur für mich war, weißt du. Ich musste mich nicht um die Kinder kümmern, nicht um meinen Mann kümmern, um was weiß ich noch alles drum herum, sondern ich konnte mich wirklich auf mich und mein Befinden konzentrieren, und dann hast du da ja auch so Übungen, Sport, Wassergymnastik, psychologische Beratung. Und ich war ja direkt an der Ostsee, konnte schön an der Ostsee spazieren gehen und all so etwas. Das war sehr gut. Und musste mich auch nicht ums Essen kümmern, was ja auch ein wesentlicher Faktor ist, dass war richtig toll, du gehst da in den Speisesaal und hast immer mittags, morgens, abends lecker Essen. 

Wie hat deine Familie auf die Krankheit reagiert?  

Ja, also mein Mann war völlig hinüber. Als ich die Diagnose kriegte, war er mehr am Boden als ich, als wäre ihm alles davon geschwommen, so hat er reagiert. Und ich hatte auch während der Krankheit, auch während der Bestrahlungszeit oft das Gefühl, ich muss mehr für ihn da sein, als er für mich da ist. Er war zwar für mich da, in seiner Art, aber irgendwie nicht ausreichend. Deswegen fand ich die Kur auch so gut, weil ich da wirklich mal nur für mich war, da musste ich nicht immer gucken, wie geht es ihm, und was macht er grade, sondern hatte mich selbst im Vordergrund.  

Und für meine Kinder, ich glaube die waren ziemlich verängstigt, Moritz (8) besonders, habe ich in Erinnerung, weil er war auch jünger als meine Tochter (10). Für meine Tochter war es besonders blöd, weil sie gerade die Schule gewechselt hatte und von daher hat sie es auch ziemlich belastet.  

Ja, ganz besonders eng war ich natürlich mit meiner Schwester in Kontakt und sie hat mir auch viele Ängste genommen, weil sie schon vieles wusste, und gesagt hat, dass und das kommt auf dich zu.  

Wie hat die Krankheit dein Privatleben und soziales Umfeld beeinflusst? 

Als ich Krebs hatte, also ich hab mich dann aus allem so ein bisschen zurückgezogen, auch alles Ehrenamtliche, was ich ja damals noch gemacht habe. Und als ich dann wieder angefangen, also im Herbst des Jahres, hab ich dann wieder angefangen, wohin zugehen, mich zu treffen und weiterzumachen. Da haben viele dann gefragt: „Ach, wie geht’s dir denn, du siehst aber gut aus, etc.“. Das Problem ist ja immer, du siehst nichts bei der Krankheit, als wenn du dir z.B. das Bein brichst, oder Rücken hast, dann ist es was anderes. Ich habe gemerkt, dass viele Menschen unsicher reagierten, weil es eben eine Krebserkrankung war. 

Parallel dazu fing die Hormontherapie an. Alle vier Wochen eine Spritze (Zoladex), um die Östrogenproduktion zu hemmen,dazu täglich eine Tablette (Tamoxifen) ebenfalls gegen Östrogen. Ich wurde also mit 47 Jahren in die Wechseljahre hinein katapultiert – mit entsprechenden körperlichen Folgen. 

Wie lange ist das her mit deiner Diagnose und wie geht es dir heute? 

11 Jahre ist das jetzt her. Und ein Problem ist, man hat immer Beschwerden in der Brust. Die rechte Brust ist halt anders als die linke. Da ist so festes Gewebe drin, die Ärztin hat mir das so erklärt, dass durch die Bestrahlung zieht sich das Gewebe zusammen. Und die Narben von den zwei OP außen und innen sind ja auch irgendwelche Narben. Das fühlt sich komisch an und ist fest und manchmal tut’s auch weh. Und anfangs konnte ich den Arm nicht richtig bewegen, ich konnte nicht mal Wäsche aufhängen, erinnere ich mich, dass wird dann mit der Zeit immer besser. Aber wenn ich viel mache rechts, oder eine Tasche lange rechts getragen hab, dann hab ich Schmerzen hier. 

Und hast du Angst, dass die Krankheit zurückkommt? 

Ja klar, die hast du immer mal wieder, und am Anfang hast du alle halbe Jahre eine Mammografie, als Pflicht sozusagen, Mammografie plus Ultraschalluntersuchung, und jetzt gehe ich jedes Jahr, manchmal auch alle 1,5 Jahre so, zur Nachsorge. Ich lebe mit einem anderen Gefühl als vor der Krankheit.