Breast Cancer

„Man kann gut mit der Krankheit leben“

Kannst du dich kurz vorstellen und uns erzählen, wie und wann du erkrankt bist?

Ich heiße Vibeke, bin 1966 geboren und habe letzten Sommer (2017) die Diagnose Brustkrebs erhalten. Ich habe selbst den Knoten in meiner linken Brust entdeckt und bin zum Arzt gegangen. Schon am nächsten Tag bekam ich einen Anruf aus dem Krankenhaus, und hab einen Termin zur Mammografie vereinbart. Die Ärztin hatte keine Zweifel, dass ich Brustkrebs hatte, aber Zweifel daran ob ich einen großen oder drei kleine Krebstumore hatte.

Wie hast du reagiert?

Ja, also das ist natürlich eine schreckliche Nachricht, auch weil ich zu dem Zeitpunkt ja noch nicht wusste, wie schlimm es war und welche Art Brustkrebs ich hatte. Auf die Ergebnisse der Biopsie musste ich dann 14 Tage warten. Es gibt viele verschiedene Arten Brustkrebs, meiner war hormonabhängig. Die Ärztin hat mir dann mitgeteilt, dass ich meine linke Brust entfernen lassen muss. Das ist einfach schrecklich diese Nachricht zu erhalten, also mein Kartenhaus ist eingestürzt, weil Krebs ja durchaus tötlich sein kann.

 

Wie hat deine Familie reagiert?

Mein Mann war wirklich überragend. Natürlich hat auch er seine Tiefpunkte gehabt und hatte Angst, aber er hat die ganze Zeit über die Hoffnung und den Glauben bewahrt, dass ich wieder gesund werde und dass wir das alles überstehen werden. Er war die ganze Zeit über für mich da und war bei den meisten Terminen im Krankenhaus mit dabei.

Alle unsere 5 Kinder waren fantastisch und haben an dem ganzen Verlauf teilgenommen, und sie haben auch daran geglaubt, dass ich die Krankheit überstehen werde. Das einzige, was sie verlangt haben war, dass wir keine Geheimnisse voreinander hatten. Sie wollten immer wissen, wie es um mich steht. Natürlich haben sie sich Sorgen gemacht, und ganz besonders meine Eltern. Ich bin ja immer noch ihr kleines Mädchen.

Wie lange warst du ingesamt in Behandlung?

Ich wurde im August letzten Jahres operiert und hab im Anschluss Chemotherapie bekommen, und danach Bestrahlung, damit wurde ich im Februar fertig. Die Operation war das Geringste in dem Behandlungsverlauf, die Chemobehandlungen waren ziemlich hart, aber bevor ich mich umgucken konnte war die Bestrahlung auch schon wieder vorbei.

Wie geht es dir jetzt?

Also mein Alltag funktioniert gut. Also es geht mir ja gut, ich kann mich bewegen, und der Rest sind alles Kleinigkeiten. Aber man hört nie auf, sich Sorgen zu machen. Meine Brust entfernen zu lassen, war das Geringste, am Anfang hat vor allem die Psyche ziemlich gelitten, z.B. mit Gedanken über den Tod, meine Kinder, mein Mann, meine Familie & Freunde. Ich habe das auf meine Art und Weise gehandhabt. In meinem Kopf habe ich mir eine große Kommode mit vielen Schubladen vorgestellt. Auf diesen Weg konnte ich selbst bestimmen, welche Schubladen ich gerne schließen möchte. Die Schublade mit Gedanken zu Tod und Beerdigung habe ich für immer geschlossen. Ansonsten könnte ich nicht leben.

Zum Glück habe ich eine wundervolle Familie, einen tollen Mann und tolle Kinder, gute Freunde und Freundinnen, mit denen ich immer über alles reden konnte. Darüber hinaus hat es mir auch sehr geholfen, mit in dem Programm „Krop og Kraeft“ zu sein.

Wie lebst du jetzt dein Leben?

Also ich muss merken, dass ich am Leben bin und ich liebe das Leben. Das ist das wichtigste. Also es ist nicht so, dass ich jeden Tag rotes Fleisch esse, dass habe ich aber auch vorher nicht gemacht. Ich trinke nicht so viel Alkohol wie früher. Ansonsten lebe ich im Großen und Ganzen so wie vor der Krankheit.

Hast du Angst, dass die Krankheit zurückkommt?

Also das Risiko besteht ja. Falls die Krankheit zurückkommt, dann macht es nichts, wenn sie damit 25 Jahre lang wartet. Aber dafür gibt es keine Garantie. 97 % von den Frauen, die an Brustkrebs erkrankt sind, sind am Leben nach dem ersten Jahr. Nach 5 Jahren sind es noch 87 %. Ich hoffe natürlich, dass ich ein Teil der 87 % in 5 Jahren bin. Dann sehen wir weiter. Zum Glück wird die Medizin ständig weiterentwickelt und es ist wichtig in die Forschung zu investieren um Krebs zu bekämpfen.

Findest du, dass man die Wahl hat, ob man sich durch die Krankheit definieren lässt?

Das ist sehr unterschiedlich von Person zu Person. Wie will man sein Leben kontrollieren lassen, oder ob man selbst die kleinen Downs kontrollieren möchte. Dazu zählt sowohl der psychische als auch der physische Aspekt. Für mich war es wichtig, dass ich einen ganz normalen Alltag habe, Sport zu machen, zu kochen, zu arbeiten, zu putzen, also einfach Alltagssachen, dass war ziemlich wichtig für mich.

Ratschläge für Krebspatienten:

Mein wichtigster Rat ist sich bei dem Programm „Krop & Kraeft“ anzumelden. Das ist ein Trainingsangebot für Krebspatienten die mit Chemotherapie behandelt werden. Das Programm läuft 6 Wochen lang mit 4x Training per Woche.

Also die Tage, wo ich buchstäblich aus dem Bett gefallen bin, nach der Chemo, bin ich zum „Krop & Kræft“ Training gefahren. Und da habe ich ein paar wirklich wundervolle Frauen kennengelernt, die auch Brustkrebs diagnostiziert bekommen haben, und wir wussten immer genau wie die anderen sich fühlen.

Ansonsten sollte man dafür sorgen, offen gegenüber der Krankheit zu sein, darüber zu reden, auch über die nicht so schönen Aspekte, sein soziales Netzwerk nutzen, man sollte trainieren gehen, versuchen sein Leben weiterzuleben. Man sollte sich darauf konzentrieren sein Leben mit der Krankheit zu leben, weil die Krankheit für immer ein Teil von dir bleibt. Für mich persönlich war es besonders wichtig für mich zu sorgen, mich selbst zu pflegen, auch mal nein zu sagen und einfach Zeit für mich zu haben.

Jeder dritte Däne erkrankt an Krebs und jede 9. Dänische Frau erkrankt an Brustkrebs. Das sind einfach viel zu viele. Ich finde, es ist wichtig, auf die vielen Forschungsaktionen aufmerksam zu machen und dass die dänische Organisation „Kræftens bekæmpelse“ unterstützt wird.